Mensch-Hund Beziehung

Seit längerem ist bekannt, dass Wohnort, Alter der Halter, Einkommen, Hunde-Erfahrung oder Umgang mit Hund als Kind keinen oder geringen Effekt haben auf die Beziehung zwischen Hundehaltendem und Hund.

Positiven Einfluss auf die Beziehung hat, wenn sich der Hundehaltende auf Augenhöge mit dem Hund begibt, dem Hund die Welt zeigt, erklärt und erkunden lässt, sich aktiv in die Beziehung einbringt und Strukturen (wie Regeln) aufstellt die dem Hund helfen, sich in seiner Umwelt zurecht zufinden.

Ein entspannter Hund

Eine gute Beziehung zum Hund ist dabei für Hund und Umwelt wichtig, denn eine gute Beziehung zum Hund zeigt sich darin, dass vor der Anschaffung des Hundes sich informiert wird und man sich Gedanken macht was es alles braucht und ob alles passt und es wird, bei Familien, alles besprochen mit den Familienmitgliedern.

Auch nachdem der Hund da ist, wird sich mehr mit dem Hund und den Informationen dazu beschäftigt, weil es Freude macht sich diesem Thema zu widmen. In guten Beziehung gibt man sich Mühe bei der Erziehung des Hundes, und holt sich externe Hilfe, noch bevor es zu Problemen kommt. In der Familie werden die Kind in die Pflege des Hundes mit einbezogen und die Kinder lernen über Hunde, deren Bedürfnisse und Verhalten. In einer guten Beziehung zum Hund sind die Hundehalenden selbstkritischer, beziehen bei Schwierigkeiten beim Hund die Ursachen eher auf sich und bemühen sich um Unterstütung und suchen nach Lösungen.

Das führt dazu, dass es tendentiell weniger Probleme mit der Umwelt und anderen Menschen gibt und der Hund hundgerecht gehalten wird.

Nun zu den Merkmalen eine guten Beziehung zum Hund ...

Den Hund an seine Umwelt gewöhnen
Hundehaltende mit guter Beziehung nehmen sich Zeit und machen sich die Mühe, dem Hund die Welt zu zeigen und den Hund die Welt erforschen zu lassen, sodass Hund zunehmend umweltsicherer wird und der Hund Bewältigungs-Strategien hat.
Gemeinsam mit Hund, Aktivitäten
Menschen mit guter Beziehung zum Hund haben Zeit für ihren Hund, Zeit die man gemeinsam verbringt und lassen den Hund nicht lange alleine. Ausserdem sorgen diese Hundehaltenden auch für gemeinsame Aktivitäten, verbringen die Zeit mit Hund aktiv. Gleichzeitig sind diese Hundehaltenden in der Lage, dem Hund ausreichend Ruhe und Entspannung zu geben und die Aktivität dem Hund und seinen Bedürfnissen anzupassen. Diese Hundehaltenden versuchen herauszufinden, was ihrem Hund Freude bereitet und bieten diese Aktivitäten gezielt an, bzw gehen auf Angebote des Hundes ein.
Kommunikation
Hundehaltende mit guter Beziehung zum Hund nutzen verschiedene Kommunikationskanäle um mit ihrem Hund zu interagieren. Sie kommunizieren über einfache Worte und Laute, nutzen ihre Mimik und ihren Körper um Gesten zu machen um sich dem Hund mitzuteilen. Der Austausch zwischen Hund und Haltendem funktioniert deswegen gut, da er sich von Mensch-Mensch Kommunikation unterscheidet und auf den Hund zugeschnitten ist.
Hund Hund Begegnungen
Gute Beziehung zum Hund zeigt sich daran, dass Hund Hund Kontakte aktiv begleitet werden, bei Bedarf ein Abbruch erfolgt und die Hund-Hund Interaktionen beobachtet werden, zB wenn ein Hund in der Gruppe gemobbt wird.
Struktur geben
In einer guten Beziehung zum Hund schafft der Hundehaltende Strukturen in dem Regeln aufgestellt werden die an den individuellen Hund angepasst sind und die dazu führen, dass ein friedliches Zusammenleben möglich wird und alle in ihren Bedürfnissen respektiert werden und ihre Freiheiten haben, aber auch ihre Verpflichtungen. Probleme werden aktiv angegangen und so gestaltet, dass ein Zusammenleben möglich ist.
Fütterung
In einer guten Beziehung zum Hund ist die Fütterung an den Hund angepasst und dank ausreichend Aktivität ist der Hund nicht stark übergewichtig sondern normalgewichtig. Bei schlechter Beziehung wird die Fütterung als Möglichkeit gesehen dem Hund Liebe und Zuneigung zu zeigen und ist eine bequeme Form der Beschäftigung des Hundes, zudem wird die Fütterung dafür genutzt, das schlechte Gewissen zu wenig Zeit mit Hund zu verbringen wiedergutzumachen; bei der Fütterung erleben manche die Abhängigkeit des Hundes an seinen Menschen und dessen Fürsorge, was dem Menschen gefällt.

Diese aus der Psychologie stammenden Merkmale decken sich gut mit den Merkmalen von Beziehung aus der Biologie: Attraktivität, Verfügbarkeit, Verlässlichkeit, Erträglichkeit.

Attraktivität
Beziehungspartner mit Ressourcen wie sichere Schlafplätze, Futter und Wasser, gemeinsame tolle Aktivitäten, Sozialkontekt und gegenseitige Körperpflege ('Kraulen'), und andere Ressourcen, stehen hoch im Kurs. Menschen sind die ökologische Nische für Haushunde. Haushunde haben sich beim Menschen niedergelassen vor vielen Tausenden von Jahren, weil es dort Ressourcen gab die für das Leben und Überleben wichtig sind. So ist es auch heute noch wichtig, dass wir diese Ressourcen für den Hund bereithalten.
Verfügbarkeit
Andere Beziehungspartner mit attraktiven Ressourcen zu denen der Hund Kontakt aufnehmen kann. Bedeutsam wird das dort, wo der Hundehaltende für den Hund teilweise oder in weiten bereichen unattraktiv ist und der Hund bei Gelegenheit sich andere Menschen sucht, zB wenn ein Mensch der Familie den ganzen Tag durch weg ist und kaum Zeit mit dem Hund verbringt, kann es leicht passieren, dass der Hund sich vermehrt an denen in der Familie orientiert die öfters da ins. Es kann auch passieren, dass Kinder in der Familie, die herum springen und spielen, für den Hund attraktiver sind als erwachsene Menschen die kaum noch so emotional gefärbt sich bewegen und herumspringen: Hunde sind in aller Regel sehr lebendig und kommunizieren ihre Emotionen direkt über die Körperoberfläche an die soziale Umwelt, was viele erwachsene Menschen nicht mehr so oft tun, dadurch können Kinder für Hunde interessanter sein wenn es um Bewegungsaktivitäten geht.
Verlässlichkeit
Wie belastend eine Situation ist hängt von der Vorhersagbarkeit, Beeinflussbarkeit und dem Ausmass ab. Es ist für Hunde wichtig, dass sie Ereignisse vorhersagen und beeinflussen können. Ein Beziehungspartner der dauerhaft unvorhersagbar ist für den Hund, versetzt den Hund in einen sozialen Stress den der Hund nicht mehr bewältigen kann. Berechenbar, i.e. vorhersagbar zu sein ist wichtig für eine gute Beziehung. An der Leine, zB abrupt die Richtung wechseln ohne Signal, oder ohne Ankündigung die Wohnung verlassen, oder den Hund einfach so anrempeln stresst den Hund und belastet die Beziehung zwischen Hund und Halter.
Erträglichkeit
Wenn zei Beziehungspartner sich nicht verstehen, kann daraus kaum eine gute Beziehung entstehen. Dass man sich ertragen kann und miteinander zurecht kommt, ist wichtig. Wenn der Hundehaltende mit dem Verhalten seines Hundes überhaupt nicht zurecht kommt, oder der Hund mit dem Verhalten seines Menschen nicht zureckt kommt, dann kann daraus keine gute Beziehung werden. Wenn der Hund zB frei laufen möchte oder langweilige Wiederholungen von Sitz und Platz und Fuss nicht mag und der Hundehaltende macht mit dem Hund Obedience oder lässt den Hund beständig an einer 1 Meter kurzen Leine und lässt den Hund nicht schnüffeln, dann wird daraus keine gute Beziehung; und wenn der Hundehaltende sich darüber aufregt dass der Hund Löcher buddelt oder alle 2 Meter stehen bleibt um zu schnüffeln, dann wird die Beziehung zum Hund belastet.

Wenn man beide Merkmale, die aus der Psychologie und die aus der Biologie, übereinander legt, ist leicht zu erkennen, dass sie sich überlappen und nahe aneinander sind und gut ergänzen.

Für eine gute Beziehung zwischen Hund und Halter braucht es Zeit in der man zusammen entspannt, spaziert, die Welt erkundet, spielt, arbeitet, Freude hat, sich anguckt oder einfach so den Raum teilt. Es braucht verlässliche Regeln die für Hund und Haltenden gelten, damit man sich aufeinander verlassen kann und soziale Reibungen minimiert werden. Es braucht das Vertrauen in den Beziehungspartner Mensch, dass er Schutz bieten kann.

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