Brückensignale
Helfer im Alltag

An sich ist die Sache doch einfach: auf ein Verhalten folgt eine Konsequenz, die der Hund mag, und dadurch wird das Verhalten wahrscheinlicher - das nennt sich operante Konditionierung

Dann wird an der Dauer des Verhaltens, der Ablenkung, unter der es funktionieren soll, und der Schwierigkeit gearbeitet - das nennt sich das Arbeiten an den drei D's

Wenn also ein Hund auf Signal herkommen soll, dann wird zuerst zuhause im Wohnzimmer geübt, wenn der Hund 2-3 Meter entfernt ist, wenn der Hund kommt bekommt er etwas tolles, Spielzeug, Aufmerksamkeit, etc

Dann geht es in den Garten und später auf den Spaziergang

Im nächsten Schritt wird die Dauer des herkommens, also der Abstand, erhöht (desto entfernter der Hund ist, desto länger muss er herlaufen)

Dann wird unter stärkerer Ablenkung gearbeitet, zB auf der Hundewiese oder wenn andere Hunde anwesend sind; und dann wird die Schwierigkeit erhöht, zB muss der Hund um Hindernisse herum oder drüber hinweg gehen um zu seinem Menschen zu kommen

Wozu dann Brückensignale?

Weil das Leben nicht perfekt ist

NIcht immer ist es möglich, alle Ablenkungen in der Intensität so einzustellen, dass es der Hund von anfang schafft zu widerstehen, nicht immer ist es möglich, die Dauer des Verhaltens stückweise zu erhöhen: das Leben macht uns einen Strich durch die Rechnung

Dafür gibt es Brückensignale. Unten habe ich eine Graphik eingebunden die zeigt, was Brückensignale machen ..

Brückensignale verbinden Verhalten mit Konsequenzen

wie der Name vermuten lässt, bilden diese Signale eine Brücke zwischen dem Verhalten, das wir toll finden und öfters sehen wollen, und den Konsequenzen für den Hund damit er es öfters zeigt

Es gibt verschiedene Brückensignale die verschiedene Sachen machen

Event Marker

Event Marker markieren, zeigen an ein Ereignis, das Verhalten. Es wird auch Markersignal oder Markerwort genannt; ein bekanntes ist der Clicker, ein Gerät das ein knackendes Geräusch erzeugt

Dieses Signal wird verwendet, wenn es nicht möglich ist sofort die Konsequenz (der Verstärker) zu geben

Wenn wir zB dem Hund das Leinensignal geben und er sofort mit uns mitläuft, ist es schwierig in dem Moment dem Hund ein Leckerchen zuzustecken, gibt man stattdessem dem Hund ein Event Marker wie Fein, hat man zwei bis drei Sekunden um in die Tasche nach dem Leckerchen zu greifen und es dem Hund zu geben

Keep Going Signal

Keep going Signals signalisieren dem Hund, dass das, was er in dem Moment tut, richtig ist und er es weiterhin ausführen soll

Wenn zB der Hund das Signal zum herkommen bekommt (Abrufsignal) aber links und rechts vom Weg Enten sind oder andere Hunde, kann es dem Hund schwer fallen an seine Aufgabe zu denken (mehr zum Thema mehrfache Verstärker gibt es hier )

Nicht immer können wir diese Ablenkungen fein dosieren oder umgehen, dann kann ein Keep going Signal hilfreich sein; wir können zB dem Hund im Sekundentakt sagen ticktickticktick bis er bei uns ankommt und dann können wir ihm ein Leckerchen, ein Spielzeug oder was anderes geben, zB einen Alltagsverstärker (ein Verstärker der der Motivation des Hundes entspricht, zB Enten angucken dürfen)

Wenn ein Hund sehbehindert ist und wir ihn warnen vor einem Gegenstand in den er hineinzulaufen droht, dann können wir ihm ein Signal geben mit dem er zu uns kommt oder er auf die Seite hinausläuft und das können wir mit einem ja ja ja ja ja solange anfeuern bis er am Hindernis vorbei ist und wir ihm das Leinensignal geben und es normal weiter geht

Intermediäre Brücke

Die intermediäre Brücke entspricht dem Topfschlagen oder heiss Spiel: je näher der Mensch ist, desto stärker wird auf den Topf geschlagen

Das können wir für Hunde nutzen, wenn diese ein Verhalten zeigen das ihm Ansatz gut ist, aber noch ausgebaut werden soll

Wenn wir zB unseren Hund beim Namen rufen und er zu uns läuft dann können wir ihm ja ja ja ja ja sagen wenn er in unsere Richtung läuft, nichts sagen wenn er sich ablenken lässt oder nochmals seinen Namen wiederholen und wenn er wieder auf uns zu läuft mit ja ja ja ihn dazu animieren häufiger in unsere Richtung zu laufen

Bei einem sehbehinderten Hund kann dieses Signal mit dem Keep going Signal kombiniert werden

Wenn ein Hindernis kommt, zur Übung können wir einen Pappkarton oder ein Kissen in den Weg legen damit Hund sich nicht weh tut. Wenn Hund darauf zu läuft und es übersieht, geben wir 1 Sekunde vor dem Zusammentreffen ein Achtung Signal. Wenn Hund nun anhält und versucht auszuweichen, können wir ein ja sagen. Desto optimaler der Hund um das Kissen herum läuft, desto öfter sagen wir ja, und desto schlechter er läuft, desto weniger sagen wir ja

Wenn er dann die optimale Kurve um das Hindernis läuft, sagen wir ein langgezogenes jaaa jaaa

So wird das Bogenlaufen geformt mit Ja's als intermediäre Brücke und dann wird es angefeuert mit langgezogenen Jaaaa's als Keep going Signal

Auf diesem Wege habe ich meinem blinden Labrador beigebracht, auf dem Spaziergang um Hindernisse herum zu laufen statt hinein zu rauschen

Die Verbindung halten mit dem Hund

Über Brückensignale halten wir Verbindung mit dem Hund und erinnern ihn daran, dass die Konsequenz bevorsteht und er auf dem richtigen Weg ist

Je nach Signal können wir auf die Emotion des Hundes einwirken und diese aufrecht erhalten oder sogar weiter ausbauen

So können wir eine freudige Stimme nutzen und freudig mit den Armen wedeln wenn der Hund zu uns läuft

Dadurch wird erwünschtes Verhalten wahrscheinlicher; und da der Tag nur 24 h zählt, verringert sich die Zeit um Blödsinn zu machen desto häufiger Hund ein tolles Verhalten zeigt