Die Gruppe
und der Konflikt

Im Post zur Gruppe und der Dominanz ging es darum, wie sich die Gruppe entwickelt. In didesem Post wird ein genauerer Blick auf die Phase des Storming geworfen und die Konflikte.

Konflikte

Konflikte entstehen wenn es Abhängigkeiten gibt zwischen den Mitgliedern einer Gruppe und sich die Interessen entgegen stehen. Diese Konflikte können in einem Mitglied stattfinden, als auch zwischen zwei oder mehr Mitgliedern.

Abhängigkeit kann sich auf die emotionale Verbundenheit eines Mitgliedes zur Gruppe beziehen als auch auf äussere Faktoren die das Verlassen der Gruppe unmöglich machen, zB sind Haushunde in Deutschland räumlich und rechtlich abhängig von den Hundehaltenden und können nicht einfach das Zuhause verlassen und sich was anderes suchen, gleichzeitig fühlen sich viele Haushunde zu Menschen hingezogen und brauchen die Nähe zum Menschen, der ja ihre ökologische Nische bildet in der sie leben.

So kann ein Hund das Interesse verfolgen, an einer bestimmten Stelle am Wegesrand zu schnüffeln, oder im Garten ein Loch zu buddeln. Dieses Interesse kann mit dem Interesse des Hundehaltenden, einen grünen Rasen zu haben oder einen bestimmten Weg entang zu laufen, kollidieren. Das ist ein Konflikt zwischen zwei Mitgliedern der Gruppe; wenn der Hundehaltende seine Interessen durchsetzt kommt es zu einem inneren Konflikt im Hund, der etwas anderes möchte aber nicht darf, was sich dann in Stress äussert.

Keine Konflikte entstehen, wenn die Interessen gleich sind oder die Gruppennorm nicht über- oder unterschritten wird

Erwartungen die wir haben

Aus den Erklärungen oben wird deutlich, dass die Toleranz, dH das akzeptieren von Abweichungen von unseren Erwartungen, die wir Hunden entgegenbringen ein masgeblicher Faktor ist, wie stark der Konflikt wird zwischen Hund und Hundehaltendem ist. Damit einhergeht, wie wir unser Leben einrichten.

.. So lässt sich die Liste weiter fortführen. Desto mehr wir vom Hund erwarten und desto mehr diese Erwartungen von dem abweichen was für ein Hund normal, wichtig und Teil seines Hundseins ist, desto eher werden Konflikte entstehen und umso schwieriger wird es, Brücken zu bauen zwischen Hund und Mensch.

Ein wichtiger Teil um Konflikte im Zusammenleben mit dem Hund zu entschärfen, liegt im Hundehaltenden, seinen Erwartungen und seiner Bereitschaft auf die Interessen des Hundes einzugehen.

Mit diesem Thema verwandt ist Beziehung, positive Psychologie und unelastische Verhalten

Umgang mit Konflikten

Wie wir uns in Konflikten verhalten, hat mit der Orientierung an unseren Interessen zu tun, das heisst wie stark wir daran festhalten, und unserer Bereitschaft, mit einem Gruppenmitglied zusammen zu arbeiten. Das wird in der Graphik unten dargestellt.

Konflikt Management
Management von Konflikten

Vermeidung Wenn der Hund an sein Futter in der Schüssel am Boden will und der Hundehaltende will das Recht, ihm die Schüssel wegnehmen zu können (etwas, was für Hunde nicht natürlich ist, denn Hunde kennen Besitzrespektierung), dann kann das nicht nur dazu führen, dass der Hund aggressiv reagiert, sondern öfter passiert es, dass der Hund sein Interesse aufgibt und gleichzeitig die Zusammenarbeit einstellt und den Platz verlässt. Der Hund zieht sich zurück und geht nicht mehr zur Futterschüssel bis der Mensch verschwunden ist.

Wenn wir vom Hund erwarten, dass er sich hinsetzt für einen Keks, kann es passieren, dass das Interesse am Keks gering ist bzw der Hund aufgibt und davon läuft, wenn er kann, oder in die Landschaft schaut, was anderes tut und die Situation vermeidet; das wird von Menschen oft als stur bezeichnet, bedeutet aber nur, dass der Hund keine Motivation hat, sein Interesse aufgibt und nicht mehr zusammen arbeiten will.

Anpassung Viele Hunde sind durchaus bereit, ihre Interessen hinten an zu stellen und menschliche Regeln und Erwartungen zu erfüllen, auch wenn er sie nicht versteht; das reicht von Hinsetzen vor jeder Strassenüberquerung, zu Bei-Fuss am Bein des Menschen kleben und vielem mehr. Der Hund passt sich an und macht, was von ihm verlangt wird.

So werden viele Hunde es hinnehmen, wenn ihnen die Futterschüssel auf dem Boden während dem Essen weggenommen wird und warten, bis die Schüssel zurück kommt, es hinnehmen wenn ihnen der Ball weggenommen wird; viele Hunde werden es unterlassen, auf dem Sofa zu liegen wenn es verboten wird und sich neben das Sofa legen. Viele Hunde nehmen es hin, wenn sie an der Leine gehindert werden zu spannenden Orten am Wegserand zu laufen, ziehen nicht an der Leine sondern kooperieren weiterhin. Viele Hunde passen sich der Tagesaktivität des Menschen an und nehmen es hin, wenn wenig mit ihnen unternommen wird und werden dann zu dösigen Stubenhockern. Die Zusammenarbeit wird nicht unterbrochen, der Hund passt sich an.

Macht und Aggression Es gibt Fälle, wo die Bereitschaft des Hundes sich anzupassen gering ist, oder der Hund sich nicht mehr apassen kann da die Gruppenregeln ihn und seine Möglichkeiten überfordern und der Hund gleichzeitig ein hohes Interesse hat, zB nach Ruhe und Schlaf, Essen und Trinken.

In solchen Situationen eskaliert die Situation, der Konflikt endet in Macht und Aggression, es kommt teilweise zu verletzendem Verhalten. Sehr oft kommt es dann als Reaktion des Menschen dazu, dass dem Hund Gewalt angetan wird, der Hund geschlagen oder getreten wird, Hilfsmittel wie Stromhalsbänder eingesetzt werden; wo Macht nicht mehr funktioniert, setzt oft die Gewalt ein da der Mensch frustriert ist, dass er seine Ziele nicht erreichen kann.

Wenn ein Hund ein hohes Interesse hat eine Stelle am Wegesrand zu beschnuppern, dann wird er ziehen und nicht locker lassen, nicht mit dem Hundehaltenden kooperieren - es muss nicht zu verletzendem Verhalten kommen.

Zusammenarbeit Wenn beim Hund das Interesse hoch ist genauso wie seine Bereitschaft, mit dem Menschen zusammen zu arbeiten, kommt es zur Zusammenarbeit.

Der Hund wird einen Beutel mit Futter apportieren, um an die Leckerchen heran zu kommen und ist auch bereit, den Beutel beim Menschen abzugeben. Der Hund wird von sich aus einen Gegenstand zum Menschen bringen damit dieser den wirft und der Hund den einfangen kann, und bereit sein, den Ring wieder herzugeben. Der Hund wird an lockerer Leine gehen, sich damit den Regeln des Hundehaltenden hingeben, um an spannende Orte auf dem Spaziergang zu kommen. Der Hund wird warten bis die Futterschüssel am Boden steht, also die Regel des Hundehaltenden hinnehmen und zusammenarbeiten, um an das Futter zu kommen - statt die Futteschüssel aus der Hand zu reissen (wie es bei Macht/Aggression zu erwarten ist).

Manchmal sieht man Hunde, die in einem Konflikt sind. Sie wollen dass der Mensch den Gegenstand wirft weil es toll ist, den einzufangen - es braucht die Zusammenarbeit mit einem Menschen - und gleichzeitig wollen sie nicht kooperieren und das Ding hergeben. Sie gehen dann zum Menschen, bringen den Gegenstand, zeigen diesen und wenn der Mensch ihn nehmen und werfen will, gehen diese Hunde einen Schritt zur Seite und weichen aus.

Konflikte sind auch Chancen

Wie nun deutlich wurde, entstehen Konflikte aus widerstrebenden Interessen. Ein Interesse, das ein Hund hat, ist etwas, was dieser Hund will. Zum einen gibt uns das Einblicke in unseren Hund und seine Welt, zum Anderen können wir versuchen, dem Hund zu ermöglichen seine Interessen zu verwirklichen, wenn er mit uns zusammen arbeitet; wir können dem Hund seine Interessen als Verstärker nutzen wenn er sich Mühe gibt in der Gruppe sich einzuleben.

Wenn ein Hund zu den Kühen will, dann kann ich einige Schritte zu den Kühen gehen, wenn er ansprechbar ist und an lockerer Leine läuft; wenn der Hund den Briefträger sehen will, dann kann ich ihm das ermöglichen wenn er ruhig(er) wird und seine Pfoten am Boden lässt.

Die Herausforderung als Hundehaltender besteht darin, die Bedürfnisse und Interessen eines Hundes zu erkennen, anzunehmen, Möglichkeiten zu finden für den Hund diese auszuleben und die Zusammenarbeit mit dem Hund zu kultivieren und dafür den Hund entsprechend seiner Interessen zu motivieren. Bei manchen Hunden ist das leichter zu erreichen als bei anderen.

Diese Phase wird Norming genannt; der Abschnitt wo gemeinsame Regeln erarbeitet werden die das Zusammenleben ermöglichen und erleichtern. Aus der Sturmzeit geht es dann über die Zeit der gemeinsamen Regeln in die Leistungsphase, das Performing. Wir können mit dem Hund tolle Spaziergänge und Wanderungen unternehmen, in die Fussgängerzone gehen und gemeinesam ein Eis essen, im Wildpark Tiere angucken oder gemeinsam über das Feld rennen oder mit dem Hund etwas Verstecktes suchen gehen; und abends können wir zusammen kuscheln und die Füsse und Pfoten hoch legen. Eine Gruppe ist entstanden die zusammen gut funktioniert und zufrieden ist.