Positive Affekte

Stellt euch vor, nach zwei Jahren kommt ein Baby-Elefant auf die Welt und sein Verhalten wäre komplett durch seine Gene bestimmt, keine Lernfähigkeit. In der Zeit, in der es bei der Mama im Bauch war, hat sich die Welt aber verändert. Auf diese Veränderung könnte der Baby-Elefant nicht reagieren, denn er ist von seinen Voreinstellungen in den Genen abhängig. Es bräuchte viele Baby-Elefanten, die sich in den Genen unterscheiden, bis endlich ein Baby-Elefant auf die Umwelt gut angepasst wäre. Das würde Mama-Elefant viel Energie kosten, zu viel Energie.

Doch dank der Evolution ist der Baby-Elefant lernfähig, seine Gene sind teilweise offen gestaltet, sodass das Verhalten sich noch anpassen kann. Doch das hat einen Nachteil: Baby-Elefant weiss nicht, was essbar ist und was nicht, was gefährlich ist und was nicht, oder wo eine Wasserstelle ist und wo nicht. Baby-Elefant braucht einen Fürsorgegaranten der ihm die Welt erklärt, wo Baby-Elefant sicher und geborgen ist.

Und genau das hat Baby-Elefant und viele andere Tiere auch, zB unsere Haushunde!

Fürsorgegaranten sorgen als Bindungspartner dafür, dass die neuronalen Strukturen im Gehirn die für Angst sorgen runtergefahren werden und Botenstoffe die für Geborgenheit und Wohlbefinden sorgen hochgefahren werden. Damit dient der Bindungspartner als sicherer Hafen wo es Schutz gibt und als sichere Basis um die Welt zu erkunden.

Und genau das brauchen auch Haushunde, um die Welt zu verstehen, erkunden und um sich sicher darin bewegen zu können!

Positive Logik der Affekte

Weidt und Berlowitz haben zur Verhaltensentwicklung von Hunden schon vor vielen Jahren geforscht und ihre Erkenntnisse sind zB eingeflossen bei der Ausbildung von Blindenführhunden . Sie haben Schriften dazu verfasst, unter Anderem auch eine Grafik dazu die sich in deren Heften und Büchern findet. Mit deren Erlaubnis habe ich eine Grafik erstellen können, die sich als Foto posten lässt. Darauf ist zu erkennen, wann Hunde positive Affekte und eine sichere Bindung entwickeln.

Positive Logik der Affekte

Los geht es mit der Reise, die mit einem Hund beginnt, der vor etwas Unbekanntem, zB einem gelben Sack am Wegesrand Angst hat.

Der Fürsorgegarant erkennt die Angst im Hund und dessen Unwohlsein, geht darauf ein, geht zum gelben Sack, schaut in sich an. Der Hund folgt, schaut mit, riecht und fängt an, daran zu ziehen.

Der Fürsorgegarant hat die Bindung und das Vertrauen des Hundes in ihm gestärkt und ausgebaut. Der Hund hat was neues gelernt, konnte eine Bewältigungs-Strategie finden und eine neue, positive Erfahrung machen.

Wenn dieser Hund nun am Wegesrand einen grossen, runden Ball liegen sieht, wird er etwas selbstbewusster in die Situation gehen und überzeugter davon sein, dass das Problem lösbar sein wird, ausserdem wird er auf gelernte Strategien zurückgreifen können. Wenn der Fürsorgegarant dem Hund nun auch hier hilft, die Unsicherheit im Hund zu überwinden, kann der Hund nun schneller die Situation klären.

Der Hund wird aufgrund dieser Erfahrungen neugieriger werden, mehr am Wegesrand nach Umweltreizen suchen und in der Lage sein, selbstsicher diesen zu begegnen. Wenn nun eine Gruppe Menschen auf den Hund zukommt, wird der Hund zum einen die sichere Bindung zum Fürsorgegaranten haben, wo er Geborgenheit findet, und er wird seine Erfahrung und Neugier haben, dieser Gruppe mit Zuversicht zu begegnen.

Der Hund kann nun seine angeborene Fähigkeit zum Lernen entfalten und seine genetische Ausstattung entwickeln lassen. Innere Konflikte nehmen ab, Problemlösestrategien nehmen zu: Hund weiss, dass er ein Problem lösen kann und hat dazu schon Strateien.

Es bilden sich Selbstsicherheit und stabile Charaktereigenschaften im Hund aus und wenn er das nächste Mal bei dem gelben Sack vorbei kommt oder an anderen Umweltreizen, hat er nicht mehr so dolle Angst davor, oder gar nicht mehr, freut sich vielleicht sogar etwas zu entdecken.

Mikro-Veränderungen

Diese Entwicklung braucht Zeit und verständnisvolle Hundehalter, die auf den Hund eingehen und ihm die Welt erklären.

Es sind unzählige Momente mit dem Hund, die immer wieder zu Mikroveränderung im Hund führen und diesen immer stabiler werden lassen in seinem Verhalten und Charakter

Verhaltenssystem verstehen

Mit jedem Verstärker, den wir geben, aktivieren wir auch ein Verhaltenssystem das dazu gehört. Geben wir Futter, so wird das alimentäre Verhaltenssystem aktiviert.

Wenn wir wollen, dass der Hund seine Umwelt erkundet, dann brauchen wir das curiosity System. Es ist ein selbstbelohnendes System das von Neuigkeiten lebt die es zu erkunden gibt. Futter würde dies ändern.

Es macht einen Unterschied, ob der Hund etwas erklimmt weil er Futter bekommt, oder ob er es erklimmt weil es spannend in sich selbst ist und er es erkunden will. Es sind unterschiedliche Verhaltenssysteme.

Wichtig! Wenn ihr einen Hund habt, der sehr wenig Erkundungsverhalten und Neugierde zeigt, dann könnt ihr selbstverständlich als Starthilfe mit Clicker und Leckerchen arbeiten. Wenn ihr wollt, dass der Hund zunehmends seine curiosity aktiviert, solltet ihr das Futter mehr und mehr ausschleichen und dem Hund viele Gelegenheiten geben, wo er Sachen erkunden kann.

Der Start

Ihr braucht nicht viel, um einen Erlebnisparcour zu bauen. Kartons, Papier, Kissen, Blumentöpfe, Briefe die ihr bekommt (die nach Briefträger riechen).

Daraus könnt ihr einen Parcour bauen, den Hund beobachten und fördern. Baut keinen Druck auf: der Hund soll eigeninitiativ den Parcour erkunden.

Ihr könnt dem Hund ganz alltäglich Dinge zum erkunden geben: ein Paket das angekommen ist, oder ein Brief, die Einkaufstüte (leer oder gefüllt), oder eine Shampoo-Flasche die aussen sauber ist. Wie wäre es mit knisterndem Backpapier und Kartons vom Müsli?

Es findest sich bestimmt was.

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