Spiel?

Ist das noch Spiel oder schon Ernst? Diese Frage hat sich schon der ein oder andere Hundehaltende gestellt. In diesem Artikel geht es darum, zu klären, was die Merkmale von Spiel sind um dieses besser zu erkennen.

Spiel = positive Emotionen
Positive Emotionen ≠ Spiel

Wichtig zu verstehen ist, dass Spiel zwar immer mit positiven, angenehmen Gefühlen einher geht, aber nicht jedes gute Gefühl bedeutet, dass es Spiel ist.

So kann ein Hund Freude daran haben, etwas zu apportieren, oder für ein Leckerchen die Pfote zu geben, oder in der Sonne zu liegen, das bedeutet aber nicht, dass diese Verhalten auch Spiel sind.

Den Hund mehrfach Gegenstände apportieren lassen, oder vom Hund antrainierte Verhaltensweisen, zB Sitz, Handtouch, oder etwas suchen gehen, ist verhaltensbiologisch betrachtet kein Spiel - genauso wenig wenn man mit dem Hund gemeinsam an einem Gegenstand zerrt als Belohnung. Diese Verhalten können dem Hund zwar Freude bereiten oder als Verstärker dienen, sind aber kein Spiel.

Achtet ausserdem auch ausserhalb von Spiel darauf, dass ihr positive Emotionen im Hund fördert! Striegeln, knuddeln, Sachen zum Suchen verstecken, das Leben hat auch so viel Spass zu bieten!

Positiv ≠ positiv

Ebenfalls wichtig zu verstehen ist, dass positiv nicht immer gleich positiv ist. Auch mit angenehmen, positiven Dingen oder Verstärkern kann man dem Hund einen Schaden zufügen - die Ethik in der Hundehaltung ist nicht damit erschöpft, den Hund nicht zu treten oder mit Dingen zu bewerfen.

Vom Hund über längere Zeit wiederholend Verhalten abzufragen, zB hinsetzen, hinlegen, apportieren, an jedem Bordstein ein Sitz abverlangen, oder dem Hund dauernd den Tag durch Verstärker geben für Verhalten sodass der Hund beständig in Aktivität ist, auf den Hundehaltenden fixiert ist, bedeutet für den Hund einen nicht bewältigbaren Stress. Balljunkies haben viele schon gesehen: Hunde, die, wenn sie einen Ball sehen, sofort drauf los rennen und alles um sich herum vergessen oder sich, oder andere, sogar verletzen, andere Verhalten einstellen und nur noch sich mit dem Ball beschäftigen.

Das Gehirn von Hunden, aus vielen Zuchtlinien die für Hundesport bzw Hundeausbildung gezüchtet wurden und werden, ist zum Nachteil der Hunde sehr ansprechend auf Belohnungsreize von aussen und dadurch auch für Sucht. Es mag zwar für den Menschen toll sein wenn der Hund immer Freitag abends um 5 Uhr Lust hat auf Hundesport, bedeutet aber auch eine Anfälligkeit für Sucht, da der Hund schlecht abschalten kann.

Deswegen ist es wichtig, dass der Hundehaltende seinem Hund keine Sucht antrainiert im Glauben, es wäre Spass und Spiel!

Spiel

Und da kommen wir nun zu den Merkmalen von Spiel, aus denen ihr sehen könnt, dass die Punkte, die ich oben erwähnte, eben kein Spiel sind .. Ebenfalls solltet ihr im Hinterkopf behalten, dass Menschen die Tendenz haben für ihre Spiele viele Regeln einzuführen, etwas, das Hunden fremd ist!

Merkmale von Spiel

Merkmale

Self-limitation Spiel setzt voraus, dass die Teilnehmenden sich in ihrer Kraft beschränken. Es kommt zu keiner Verletzung, egalb ob beim Spielbeissen, beim Anrempeln oder beim Schubsen: absichtliche Verletzungen gibt es nicht, und wenn, dann kommt es zum Spielabbruch.

Reversal Im Spiel werden Rollen getauscht. Der Gejagte wird gejagt, wer oben war liegt mal unten, wer spielbeisst wird spielgebissen. Jeder wechselt mal durch.

Variation Spiel bedient sich von Verhalten aus verschiedenen Funktionskreisen: Beutefang, Fortpflanzung, Aggressionsverhalten, .. Zwar kann es zwischen Spielpartnern zu Lieblingsspielen kommen, dennoch zeigt sich eine Abwechslung im Spiel. Mal wird ein Jagdspiel geführt, dann ein Hochkampf gespielt, dann ein Maulkampf gespielt oder ein Objektspiel.

Abundance Im Spiel wird viel Verhalten gezeigt, die Verhalten wirken übertrieben und kurvig. Es wird sehr hoch gehüpft, beim Anschleichen bebt der ganze Körper, beim Maulkampf werden viele Laute von sich gegeben und das mitunter lautstark, es werden kurvige Bewegungen gemacht. Insgesamt bekommt man viel Verhalten zu sehen das sehr übertrieben wirkt, oft auch aus dem Kontext gerissen - zB zuerst gejagt, dann angeschlichen.

Self-handicapp Unterschiede zwischen den Spielpartnern werden durch die Spielpartner ausgeglichen. Der grosse Hund legt sich auf den Boden, damit der Kleine mit ihm spielen kann, der schnelle Hund läuft langsamer damit er eingefangen werden kann. Jeder begibt sich auf das Level des Anderen.

Nichtspiel

Wenn wir diese Merkmale mit dem vergleichen, was weiter oben beschrieben wird, dann können wir die Unterschiede erkennen. Wenn zB ein fremder Hund nicht angespielt werden will, entsteht kein Spiel; wenn der Hund süchtig wird, ist es kein Spiel; wenn es monoton, immer gleich ablaufend stattfindet, ist es kein Spiel; wenn es auf Signal, Kommando geschieht, ist es kein Spiel.

Diese Liste ist noch länger und ihr könnt selber im Alltag beobachten, wo ihr Spiel seht und wo nicht!

Der Fremde und das Spiel

Oft wird von Welpen-Spielgruppen gesprochen, und fremde Hunde sollen miteinander spielen. Spiel jedoch setzt Vertrautheit voraus, damit die Grenzen eingehalten werden.

Deswegen sollten zwei fremde Hunde nicht gleich miteinander spielen, sondern sich mal so beschnuppern können. Es mag nun viele Hunde geben, die sofort mit einem fremden Hund spielen können, das ist aber nicht garantiert.

Es ist wichtig, dass von Welpen-Beinen an der Hund lernt, dass andere Hunde nicht gleich Party und Spiel sind, sondern man andere Hunde auch mal in Ruhe lassen sollte, und man an der Leine in Ruhe an anderen Hunden vorbeigehen kann. Lernt Hund das nicht, hat man später das Problem, dass der Hund klassisch-konditioniert dass andere Hunde aufregend sind und Party bedeuten und deswegen an der Leine reissen um zu anderen Hunden zu gelangen. Dass kann fremde Hunde überfordern und in einer Beisserei enden.

Nicht jeder fremde Hund mag sofort spielen, oder jeden anderen Hund leiden!

Buchtipp

Mechthild Käufer, Spielverhalten bei Hunden, Kosmos Verlag 2011