Wanderung mit Hund
grundsätzliche Gedanken

Mit dem Hund eine alte Burg erkunden, oder an einem Gewässer entlang eine Landschaft entdecken, eine Wanderung mit einem Hund hat Interessantes zu bieten, für Hund und Mensch

In diesem Post gebe ich einige Gedanken zu diesem Thema, damit die Wanderung für Hund und Mensch ein schönes und gesundes Erlebnis ist

Biologie und Psychologie des Hundes

Hunde haben eine Biologie die sie mitbringen und eine Psychologie, die darauf fusst, das gilt es zu berücksichtigen

die Biologie

Hunde haben Vorfahren die sie mit Wölfen teilen, allerdings hat sich seitdem eine Menge getan. Die meisten Hunde in der Welt leben in und um menschliche Siedlungen als Streuner und Strassenhunde, ihre Bewegung dient der Erkundung des Gebietes, des Auffindens von Essensresten und Streifzügen durch das Gebiet, die Spaziergängen ähneln, dabei haben Hunde verschiedene Wege, die diese immer wieder gehen

Die meisten Hunde sind körperlich nicht mehr dafür ausgelegt, hunderte Kilometer in wenigen Tagen zurück zu legen, und selbst Wölfe machen das nicht die ganze Zeit, sondern oft zu bestimmten Jahreszeiten oder wenn Jungtiere eine neue Familie gründen und ein Revier brauchen - und einige Wölfe haben sich spezialisiert, vor Ort zu bleiben und dort das ganze Jahr zu jagen anstatt den Huftieren nachzuwandern

Dazu kommt, dass Rassehunde, und viele der Hunde in unseren Wohnungen haben ein Elter das von einem Rassehund kommt, auch die Mischlinge, was wiederum den Körperbau beeinflusst, oft extreme Körpermerkmale haben was Gewicht und Skelett angeht; Hunde, die sich frei vermehren können und wo kaum von Menschenhand gezüchtete Hunde rein kommen, haben um die 15 bis 20 kg Gewicht und eine Schulterhöhe von 30 CM, Extremmasse kommen da eher nicht vor, anders als bei der Rassezucht

Auch das muss berücksichtigt werden. Ist der Hund, mit dem du wandern willst, langbeinig und hat eine grosse Schrittlänge, oder hat er einen breiten Brustkorb und ist eher stämmig gebaut? Hunde mit langen Beinen, wie Windhunde, sind eher in der Lage längere Strecken zurückzulegen als kleinere, stämmige Hunde

Hunde sind körperlich nicht gebaut, genausowenig die Wölfe oder Füchse, stundelang zu stehen, anders als Huftiere wie Pferde oder Klauentiere wie Kühe. Die Sehnen und Bänder bei Hunden sind nicht dafür ausgelegt dass der Körper über Stunden steht, bei einer 5 stündigen Wanderung wäre aber genau das der Fall, der Körper stünde und bewegte sich über mehrere Stunden, das belastet den Körper ungemein, und da Stresshormone immer da beteiligt sind, wo der Körper aktiviert wird, ist auch bei einer Wanderung der Körper im Stressmodus, was zu einer Beeinträchtigung der Schmerzwahrnehmung führen kann - wir kennen das wenn wir nach Anstrengung und Ruhe einen Muskelkater verspüren, das sollten wir beim Hund vermeiden

ein breiter Hund der eher nicht für die Langstrecke gebaut ist

Die Psychologie

Hunde sind nach den Jahren an Anpassung mental mehr darauf ausgelegt, kurze Strecken zu laufen, diese häufiger zu laufen und immer wieder stehen zu bleiben, zu erkunden, zu riechen und eine Pause einzulegen - sie brauchen keine Gewaltmärsche von 20km und mehr um zufrieden zu sein

Das muss berücksichtigt werden indem Strecken ausgewählt werden wo der Hund ohne Leine laufen kann und wenn er an der Leine ist, eine 5 Meter lange Leine hat wo er mehr erkunden kann - macht den Versucht mit einer 5M Leine und beobachtet was der Hund an Verhalten zeigt, das er an einer 1.5M Leine so nicht oder selten zeigt. Das führt dann allerdings dazu, dass der Hund sich auf der Wanderung mehr bewegt als der Mensch der nur die Strecke läuft, ohne links, rechts, nach vorne und zurück zu laufen wie der Hund, das bedeutet, die Wanderstrecke muss gekürzt werden für den Hund damit Hund unterwegs erkunden kann ohne überfordert zu werden

Es gibt einige Hunde die in eine art Trance oder Dösigkeit verfallen während sie traben (der Trab ist eine Schrittart bei dem energiesparend weite Strecken zurückgelegt werden) und die dabei entspannen, solche Hunde profitieren davon weite Strecken zurücklegen zu können - das ist aber nicht die Regel

Hunde verbringen bis zu 16 Stunden am Tag mit liegen, schauen, dösen oder schlafen. Etwa eine Stunde am Tag verbringen Streuner und Strassenhunde mit dem Suchen von Essen

Wenn wir bei einer Geschwindigkeit von 5km pro Stunde und einer Strecke von 26km an die 6 Stunden nur mit Laufen verbringen, jede Stunde eine 10 min Pause (60 min also dazu kommen), haben wir 7 bis 8 Stunden wo der Hund kaum liegen, dösen, ruhen oder gucken kann, sondern sich die meiste Zeit bewegt, das ist ungemein anstrengend für den Körper eines Hundes

Gesundheits des Hundes

Bevor es losgeht ist es wichtig und notwendig, dass der Hund medizinisch überprüft wird. Lässt es das Alter und die Gesundheit zu, sind die Knochen und Gelenke in Ordnung, stimmen die Blutwerte, und vieles mehr müssen abgeklärt werden

Der Hundehaltende muss von sich aus zum Tierarzt und um eine Abklärung bitten, da die Tierarztpraxis auf Wunsch des Kunden arbeitet und handelt

Die Gelenke müssen durchgestreckt werden, ein Röntgenbild angefertigt, ein grosses Blutbild, etc. Du musst in der Tierarztpraxis dein Vorhaben erklären und den Auftrag geben, dass alle notwendigen Abklärungen getroffen werden um sicher zu sein dass der Hund medizinisch der Anforderung gewachsen ist - und das muss regelmässig geschehen, da ein Hund sich im Laufe der Zeit verändert und auch die Wanderungen den Körper abnutzen und diese Abnutzung früh festgestellt werden muss um ernste Schäden zu vermeiden

Tägliche Spaziergänge von bis zu 4km sind nicht unegwöhnlich, das kennt der Hund und sein Körper, alles was darüber hinausgeht muss trainiert werden und wenn die Wandersaison anfängt, wieder neu aufgebaut werden; fangt mit 5-6 km an und steigert um 1-2 km und lasst eine Ruhepause nach einer Wanderung von 1-1.5 Wochen damit der Körper sich erholen kann

Kontrolliert regelmässig die Pfoten und die Krallen des Hundes, schmiert diese mit Pflegeöl ein, damit die Pfotenballen nicht rauh und rissig werden, sondern immer schön geschmeidig sind; achtet auf Verletzungen, diese sind ein Ausschlusskriterum für eine Wanderung. Achtet darauf ob die Krallen gerissen sind, oder anderswie verletzt und zeigt es der Tierarztpraxis

Alles dabei
die Ausrüstung

Damit die Wanderung ein tolles Erlebnis wird, braucht es Ausrüstung. Ganz vorne mit dabei sind ein Erstehilfeset mit Verbänden, Zeckenzangen, den Medikamenten die der Hund braucht (wenn er diese braucht), Kochsalzlösuung um Wunden auszuspülen, etc

Lasst euch von den Tierarztassistentinnen beraten, von der Tierarztpraxis beraten oder von der Apotheke, recherchiert dazu und lest euch durch was andere mit Wandererfahrungen so empfehlen

Dann braucht ihr Wasser, einige Liter davon, und Decken wo der Hund sich darauf legen kann während der Pausen

Erstellt euch eine Liste mit Dingen, die der Hund über den Tag so brauchen kann. Fangt mit kleinen Ausflügen an, macht eure Erfahrung und ergänzt die Ausrüstung

Die Umgebung

Damit die Wanderung auch für den Hund schön und gesund ist, ist es wichtig auf die Umweltfaktoren zu achten

Temperatur (unter 30 Grad Celsius, eher um die 20 Grad bis max 25 Grad) und die Beschaffenheit sind wichtig - lauft die Strecke barfuss um zu spüren, wie es sich anfühlt und was es mit deinem Körper macht

Asphalt und Teer Böden heizen sich schnell auf, werden schnell 100 Grad heiss, ein Nogo für den Hund; Stein- und Kieswege belasten die Gelenke und die Bänder, das Auffussen ist härter; sandige und matschige Untergründe nehmen viel an Energie da die Füsse einsinken, das strengt den Körper mehr an. Optimal sind leicht federnde, den Stoss auffangende Böden die dennoch fest sind, zB Wiesen

Schattige Wege mit Gebüschen, Grünzeug etc bieten laden nicht nur zum Schnüffeln ein, sondern bieten Schatten

Luftlinie sind nicht die gelaufene Stecke, Höhenunterschiede belasten den Körper, genauso wie dünne Höhenluft; eine Strecke mit wenig Höhenunterschieden ist leichter zu laufen als eine bergige Strecke, berücksichtigt das. Talwanderungen sind für die Gelenke belastend, da das Gewicht jedesmal talwärts geht und auf den Boden aufknallt, das kann zu Schmerzen und Muskelkater führen, deswegen bei langen Treppen die talwärts gehen oder wenn grosse Stufen vorliegen lieber den Hund an die Leine nehmen und langsam laufen

Informiert euch über die Transportwege. Fahrt ihr mit dem Auto auf einen Parkplatz und macht einen Rundweg, oder nehmt ihr Bus und Bahn; sind Hunde in Bus und Bahn erlaubt, wie transportiert ihr diese, was sind die Förderungbedingungen, die AGBs und fühlt sich Hund damit wohl? Klärt das vorher ab

Ein kühler Weg im Wald

Fütterung und Wasser

Stetige Zufuhr von Flüssigkeit ist wichtig, denn ein Hund verdunstet über die Zunge und das Hecheln eine Menge Flüssigkeit. Geeignet sind wasserhaltige Lebensmittel wie Melonen, Gemüsegurken, damit der Hund bereits bei der Fütterung sein Wasser auffrischen kann

Wasser sollte lauwarm sein, nicht zu kühl, da der Körper des Hundes immer eine Mindesttemperatur von um die 38° Celsius braucht - kühle Getränke würden den Körper unterkühlen und so muss der Körper Energie aufwenden um sich wieder aufzuwärmen, das stresst den Hund zusätzlich

Das Futter sollte in kleinen Mengen gegeben werden damit der Magen nicht zuviel Energie für das Verdauen einsetzen muss, ausserdem müssen es leicht verdauliche Proteine sein, meistens sind dies tierische Proteine, damit der Körper nicht noch gestresst und belastet wird mit dem Aufschliessen von Nährstoffen und Proteinen - und Proteine braucht der Körper um sich selbst zu bauen und zu regenerieren

Der Hund braucht zudem eine Energiequelle die langfristig die Energie liefert, und das ist Fett. Achtet darauf dass er genügend Fett bekommt, ohne dabei Durchfall zu verursachen; Zucker/Kohlenhydrate werden als Glykogen in der Leber gespeichert und sind schnell verfügbare Energie, auf einer Wanderungen aber braucht es Langzeitenergie

Mehr zum Hintergrund von Futter gibt es auf lequotichien.pw und zwar hier

Recherchiert zum Thema Fütterung, lasst euch beraten wenn ihr unsicher seid

Weniger ist mehr
der Schlusskommentar

Häufige und kleinere Ausflüge von bis zu 10 km bringen eurem Hund mehr an Abwechslung als 1x oder 2x im Jahr eine 26 km lange Wanderung die den Hund stresst, den Körper belastet und der Hund mental überfordert

Unterteilt eure Wanderungen in kleinere Abbschnitte, verteilt diese über mehrere Tage mit Übernachtung

Für die meisten Hunde ist eine kurze, interessante Strecke schöner, als 20 oder 26 km an einem Stück, im Sommer, auf Feldwegen und Strassen mit wenig Bäumen; Museen oder ähnliches bringen einem Hund relativ wenig, da Hund dort selten Hund sein darf - sucht euch Strecken wo Hund auch Hund sein darf und gebt den Hund jemanden den der Hund kennt und vertraut während ihr in die Museen oder Ausstellungen geht

Es ist schwierig, hier eine klare Kilometeranzahl zu nennen, die ihr gehen könnt. 10km für einen 5kg Hund sind eine Menge, für einen jungen, gesunden und langbeinigen Hund hingegen ist das zu schaffen

Dennoch würde ich als maximale Strecke 20km betrachten, da Hunde eben Hunde sind und diese nicht mehr dafür gebaut sind, solch lange Strecken zu gehen und die Chance, dass Hund dabei Schaden nimmt, höher ist, als wenn man 5-10 km an Ausflug unternimmt

Baut ein Sicherheitsnetz ein, dass es euch zu jedem Zeitpunkt ermöglicht die Wanderung abzubrechen wenn es eurem Hund nicht mehr gut geht - ohne dass ihr noch 5km zur Bushaltestelle laufen müsst und den Hund in den Stress und den Schaden treibt

Achtet auf das Verhalten eures Hundes, wenn er sich notkühlt indem er sich weigert weiterzugehen, sich flach auf den Boden legt um die Wärme abzuleiten, dann ist der Schaden in den meisten Fällen da, da könnt ihr euch sicher sein - dann sind die Gelenkknorpel beschädigt, und diese regenerieren sich sehr langsam und ihr solltet das mit der Tierarztpraxis besprechen

Belastung und Stress verändern das Verhalten, nach einer Strecke im Sommer wenn der Hund durstig ist kann es passieren, dass der Hund gereizt ist und unter den Hunden Streit entfacht am Brunnen, das ist für dich ein Hinweis dass du die Strecke kürzer machen und anders gestalten musst; nach einer Wanderung kann das Ruhebedürfnis des Hundes höher sein und ein anschmiegsamer Hund kann knurren wenn man ihn kraulen will. Belastung und Sress verändern das Verhalten und den Kopf, den Mind, achtet auf solche Veränderungen

Geh nicht nur von dir aus. Hunde haben kürzere Beine und sind mehr mit der Nase unterwegs, was Dir gefällt kann für den Hund langweilig sein, was mit deinen 2m Beinen schnell und leicht geht, kann für den Hund ein Berg sein den er überwinden muss. Beobachte deinen Hund, lerne deinen Hund zu lesen und gehe auf ihn ein

Suche den Austausch mit Menschen die Erfahrung mit Wanderungen haben, die Erfahrung mit Hunden und Hundegesundheit haben oder mit Hundeverhalten; niemand weiss alles und bevor dem Hund ein Schaden entsteht ohne dass man es wollte, ist es besser sich vorher zu informieren und sein Verhalten zu ändern wenn man merkt dass es dem Hund nicht guttut