Der Start ins Leben
Welpen

Um meine Ausführungen leichter nachzuvollziehen, gehe ich kurz auf die Biologie und Psychologie von Haushunden ein

Hier ein Post über den Start eines Welpens zum souveränen, gelassenen erwachsenen Hund und Alltagsbegleiters

Zwei entspannte Hunde am Wasser

Familie und Gruppe

Etwa 80% der weltweiten Haushunde leben auf den Strassen dieser Welt, mit und neben den Menschen (Lorna und Ray Coppinger haben zB Zahlen dazu veröffentlicht)

So hat der Haushund vor vielen Tausend Jahren mit dem Mensch angefangen: der Mensch als ökologische Nische in der Hunde leben

Haushunde leben in Familien, mit Mama und Papa, Tanten und Onkeln und Geschwister

Je nachdem wie eng mit dem Menschen die Hunde leben, sind diese Familienstrukturen stärker oder schwächer ausgeprägt

Die Väter, (Hunderüden), kümmern sich oft nicht um die Kinder (Welpen), und die Welpen sind mit etwa einem halben Jahr oft in der Lage, sich selber Nahrung zu beschaffen; das hat damit zu tun, dass in menschlichen Siedlungen das Essen rumliegt und es kaum spezielle Jagdstrategien braucht um an Essen zu kommen und für den Erfolg der Nachkommen sind Väter auch nicht mehr erforderlich, die Mütter kommen alleine auch gut zurecht (Ausnahmen gibt es auch hier)

Die Welpen werden also vorallem mit Mama gross und den Hunden die mit in der Gruppe leben und den Geschwistern. Dort lernen sie soziale Regeln kennen und wie man sich in einer Gruppe so verhält, dass möglichst wenig Spannungen entstehen. Spiel mit den Geschwistern findet statt, es gibt aber auch genügend Momente wo keiner spielen will oder wo Zeit verbracht wird mit dösen, gucken, essen oder anderen Sachen

Dann wandern die Kinder ab, schliessen sich einer Gruppe an oder bilden selber eine und leben dann in einer Gruppe von Hunden die oft alleine ausschwärmt um Essen zu finden

sozial bedeutet für Hunde in der Regel, dass sie eine Gruppe von Hunden oder Menschen brauchen die sie kennen - eine geschlossene, individualisierte Gruppe (wobei Haushunde regelmässig in der Lage sind, neben anderen, fremden Hunden zu leben ohne mit diesen enge Beziehungen einzugehen)

Mit diesem kleinen Hintergrund gehe ich nun über zu dem was wichtig ist für einen guten Start

Spiel ist wichtig
Aber!

Spiel ist wichtig. Im Spiel wird der Körper trainiert, Grenzen erforscht, Beziehungen gefestigt und die kognitive Flexibilität gestärkt

Damit das Spiel nicht in Streit eskaliert, ist es wichtig, dass Grenzen eingehalten werden, Unwille des Spielpartners geachtet wird; dafür müssen sich die Spielpartner schon etwas besser kennen, um Streit vorzubeugen

Wenn wildfremde Welpen aufeinander treffen, kann es passieren dass Grenzen nicht respektiert und ein anderer Welpe überrannt wird; dazu kommt, dass Welpen Sozialverhalten erst noch erlernen müssen und dazu eine Anleitung von Erwachsenen brauchen - da die Mutterhündin oft fehlt wenn die Welpen an die Käufer abgegen wurden, übernimmt oft der Mensch den regulierenden Teil

Dazu kommt, wenn Welpen lernen, dass jedes Mal wenn ein anderer Welpe anwesend ist es gleich zum Rumrennen und Hüpfen geht, der Welpe emotional und von der Erwartung her den Anblick von anderen Hunden mit Aufregung verknüpft; während später, wenn der Welpe erwachsen ist, der Alltag oft so aussieht, dass Hunde eher selten ohne Leine sich treffen können oder dürfen und auch an der Leine ein Treffen oft nicht möglich ist

Ein Hund der als Welpe immer direkt zu anderen Welpen gehen und rumhüpfen konnte, wird es ungleich schwerer haben nicht frustriert zu sein an der Leine und entspannt zu bleiben

Lösung

Welpen mit anderen Welpen in den ersten Treffen an der Leine lassen, ruhigen Kontakt an der Leine zulassen und das Herauskommen aus dem Kontakt mit anderen Welpen üben, und ebenfalls über an anderen Welpen in Ruhe vorbei zu gehen

Wenn das klappt, kann bei den nächsten Treffen ein Kontakt ohne Leine zugelassen werden, wobei es wichtig ist, dass das nicht gleich zu Beginn stattfindet, sondern erst nach einigen anderen Übungen die mit Ruhe stattfinden

Ebenfalls sinnvoll, das Füttern in der Gruppe, wo die Welpen von ihren Menschen etwas zu essen bekommen - nicht viel - und dabei lernen, dass sie Essen bekommen in Anwesenheit anderer Hunde und niemand etwas wegnimmt

So lernen Welpen Impulskontrolle und Vertrauen

Die Zeit zwischen Spiel

Wie eingangs ausgeführt, verbringen Welpen normalerweise ihre Kindheit bei Mama und Geschwister, in der Familie; diese Erfahrung nehmen wir den Welpen weg, wenn wir sie im Alter von 9 Wochen herausreissen

Das bedeutet, wir müssen ergänzen und ausgleichen, was dem Welpen fehlt

Deswegen ist es wichtig, dass Welpen auch andere soziale Aktivitäten haben, mit anderen Hunden und auch Menschen, zwischen dem Spiel und dass sie erwachsene Hunde haben als Vorbilder, wo sie beobachten und abgucken können was ein erwachsener Hund ausmacht

Das sind ganz unscheinbare Dinge, die in einer Familie oder sozialen Gruppe aber zum Alltag gehören:

Das muss in einer Welpengruppe stattfinden (weswegen es so schwer ist, in einer kurzen Zeit der Welpengruppe aufzuholen was sonst im Lauf einer Woche passiert) als auch zuhause

Es ist wichtig, dass Welpen ausserhalb von Spiel lernen sich in einer Gruppe zu bewegen, auf andere Hunde oder Menschen zu treffen, oder andere alltägliche Sachen

Lösung

Übt mit eurem Welpen all diese Sachen, geht in den Alltag, such Situationen aus wo ihr genau das üben könnt, wo der Welpe andere Hunde sieht aber nicht gleich hin kann, fördert Entspannung im Alltag, fördert gemeinsame Aktivitäten und Ruhezeiten

Baut eine stabile Gruppe von einigen Hunden aus der Nachbarschaft auf, alte Hunde, junge Hunde, Welpen, die sozial kompetent und sicher sind und wo dein Welpe das findet, was er bei seiner Mama und seinen Geschwistern hatte

Und nun

Welpenzeit ist eine intensive Zeit; innerhalb von fast zwei Jahren lernt ein Hund was er braucht um gelassen seinen Menschen im Alltag begleiten zu können, alles muss er lernen, angefangen mit der Toilette die nicht das Wohnzimmer ist, die vielen Umweltreize, der Umgang mit Menschen, Hunden und anderen Tieren und vieles mehr

All das liegt in der Verantwortung eines Hundehaltenden der einen Welpen übernommen hat

Deswegen ist es nicht ausreichend und ratsam, die Welpenzeit auf Welpenspiel zu reduzieren

Vielmehr soll Schritt für Schritt der Welpe auf den Alltag vorbereitet werden

Ausserdem ist es für viele Hunde ausreichend, 5 oder 6 Hunde zu haben die sie regelmässig treffen können und mit denen sie sich verstehen (für viele Hunde ist es nicht notwendig, oftmals eher stressig, beständig auf fremde Hunde zu treffen und jedesmal Begrüssungsrituale zu zeigen; Hunde in stabilen Gruppen zeigen bestimmte Verhaltensweisen wie Hintern-schnüffeln seltener, einfach da diese sich schon kennen); stellt euch vor, ihr müsstet jeden Tag wildfremde Menschen treffen, kennen lernen, mit diesen intensiven Austausch haben, das ist mental echt ein Stress - für den einen mehr, für den anderen weniger

Anstatt eure Hunde mit jedem anderen Hund treffen zu lassen, achtet auf das Verhalten eurer Hunde, sucht euch eine Gruppe von Hunden die sich untereinander prima versteht und versucht euren Hunden zu ermöglichen eine stabile Gruppe aufzubauen - es ist nicht schlimm, wenn eurer Hund andere Hunde ignoriert oder wenig Beaachtung schenkt, stabile soziale Beziehungen sind wichtiger für eurern Hund